Aufwärts stolpern

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Der Podcast für die Kirchgemeinde mit Ambitionen

11-11: «Tom Mauerhofer, braucht die Schweiz neue Kirchgemeinden?»

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Vor 15 Jahren kam Vision Schweiz, die Gemeindegründungsabteilung des Verbands der Freien Evangelischen Gemeinden (FEG) auf Tom Mauerhofer zu, ob er zusammen mit seiner Frau eine neue Gemeinde in Altdorf im Kanton Uri gründen wolle. Nach einigem Zögern sagten Mauerhofers zu. Seither ist die Gemeinde gewachsen, hat sich etabliert und ist mit dem Café im griänä Hüüs in Altdorf ein beliebter Treffpunkt geworden.

Die Gemeindegründung in Altdorf hatte eine Vorgeschichte. Menschen aus dem Kanton Uri gingen nach Stans (Nidwalden) in die dortige FEG, zum Beispiel für Glaubenskurse. Dann sei der Wunsch entstanden, auch im Kanton Uri eine FEG zu gründen. Nach einer längeren Findungsphase entschied Vision Schweiz 2010, ein Pastorenehepaar zu suchen, die in Altdorf eine Gemeinde beginnen solle. Tom Mauerhofer war zu jener Zeit Jugendpastor in Olten und sagte zuerst ab, «aber dann hatten meine Frau und ich ein Berufungserlebnis», wie er in dieser Episode des Podcasts «Aufwärts stolpern» schildert. Also zog die fünfköpfige Familie in den Kanton Uri. Dort starteten Mauerhofers die neue Gemeinde mit der Gruppe von gut 15 Erwachsenen, die sich eine Freikirche in Altdorf gewünscht hatte. Diese Gruppe hatte schon ein Jahr lang einmal im Monat gemeinsam Gottesdienst gefeiert.

Familienfreundliches Café in der Kirche

Die Gruppe hatte von Anfang an als grosses Anliegen, dass Menschen Jesus Christus kennenlernen sollten. «Wir fingen 2011 an mit Glaubenskursen und evangelistischen Talk-Gottesdiensten», erzählt Mauerhofer. Einen grossen Schritt ging die junge Gemeinde, als sie nach vier Jahren, im Herbst 2015, im Parreterre ihres Gemeindelokals im griänä Hüüs im Zentrum Altdorfs ein familienfreundliches Café öffnen konnte. Das Café ist unter der Woche für die Bevölkerung offen, wird aber auch von der Gemeinde genutzt. «Im Café findet auch der Kirchenkaffee nach den Gottesdiensten statt, aber auch Glaubens- oder Ehekurse.»

Das Café veränderte die Sicht der Urner Bevölkerung auf die Freikirche. «Das Café war ein grosser Türöffner für die Gemeinde. Die Berührungsängste gegenüber unserer Freikirche nahmen seither stark ab», sagt Mauerhofer. Menschen lernten das Gebäude durch ein Geburstagsfest kennen und sähen, dass es ein schöner Ort ist. «Dann kommen sie vielleicht einmal in ein Kindersingen und lernen Menschen kennen.»

Getragen wird das Café von einem eigenen Verein, rechtlich getrennt von der Gemeinde. Wichtig ist der Gemeinde, dass sie mit dem Café auch einen Dienst an der Gesellschaft von Altdorf leisten können. Das wird auch wahrgenommen. «Als der Verein Anfang 2026 entscheiden musste, den Betrieb zu schliessen, gab das in Altdorf und auch in der Gemeinde einen hörbaren Aufschrei», berichtet Mauerhofer. Das habe dazu geführt, dass die Gemeinde das Café im September 2026 mit einem neuen Konzept und neuen Leuten wieder öffnen kann. Ein Café betreiben sei nicht einfach: «Es braucht viel Herzblut.»

Auch wenn das Café in einem eigenen Verein organisiert ist, die Gemeindeleitung bedenkt aber bei strategischen Überlegungen immer auch das Café; mindestens eine verantwortliche Person ist vertreten bei diesen Diskussionen.

Drei Vorteile von Gemeindeneugründungen

Bei Neugründungen geht viel Energie in alle Bemühungen, die bewirken, dass Menschen den christlichen Glauben für sich entdecken. Diesen nach aussen gerichteten Fokus der Gründungszeit in einer Kirche beizubehalten, die älter wird, sei sehr schwierig. «Das sehen wir auch in unserer Gemeinde, die unterdessen 14 Jahre alt ist», sagt Mauerhofer. «Eine neue Gemeinde weiss, dass alles davon abhängt, neue Menschen für den Glauben zu gewinnen. Wenn das nicht gelingt, wird es die Gemeinde in ein paar Jahren nicht mehr geben.» Das sei ein Wert, der für Neugründungen spricht.

Neugründungen bieten auch die Chance, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln, ohne dass langjährige Mitglieder sagen, sie hätten so etwas auch einmal versucht und seien gescheitert. Dabei gehe die Wirkung von Gemeindegründungen über die einzelne Gemeinde hinaus. «In unserem Verband sehen wir, dass auch die bestehenden Gemeinden von den neuen Initiativen profitieren.» So seien mehrere FEGs gekommen, um sich das Café-Projekt zeigen zu lassen und selber eines aufzumachen. «Manche waren dann sogar erfolgreicher als wir.»

Den dritten Vorteil von Gemeindegründungen sieht Tom Mauerhofer in der Tatsache, dass in Neugründungen die Führungsrollen nicht schon verteilt sind. «In bestehenden Gemeinden sind die Posten schon besetzt. Dann kommt jemand mit Führungsqualitäten und Energie, aber es gibt gar keinen Bereich, in dem er seine Begabungen einbringen kann.» Das gelte vor allem für Personen mit Pionierfähigkeiten. «Diese Menschen verlieren wir, weil sie nicht glücklich sind, wenn wir sie in bestehende Gemeinden zu integrieren versuchen.»

Podcast-Co-Host Anna Näf fragt Mauerhofer, ob es aus seiner Sicht auch ein Erfolg sein kann, wenn ein Projekt fünf oder zehn Jahre besteht und dann wieder endet. Mauerhofer weist darauf hin, dass, wenn es um eine Gemeindegründung geht, oft Verletzungen zurückbleiben, wenn eine Gemeinde nicht langfristig bestehen kann.

Besser zusammen als alleine

Von Podcast-Co-Host Lukas Huber gefragt, was es denn brauche, dass ein Gründungsprojekt funktioniert, sagt Tom Mauerhofer: «Ein grosser Vorteil ist, wenn bereits eine Gruppe besteht. Wenn jemand alleine bei Null anfängt, dann ist das ein sehr langer Weg.» Erfolgsversprechender sei es, eine neue Kirche als «Tochtergemeinde» einer bestehenden Gemeinde zu gründen und mit einer Gruppe zu starten, die schon vor Ort wohnt. «Sie kennen die Leute schon und sind im Dorf vernetzt, und es besteht schon eine gewisse Dynamik.»

Wenn ein Gemeindegründungsprojekt Teil eines Verbands sei, könne dieser zu Beginn auch die Finanzierung übernehmen. «Es bleibt dann die Herausforderung, die Gemeinde langfristig selber zu finanzieren.» Ein Verband könne auch emotionale und moralische Unterstützung bieten.

Der Umgang mit Gemeindegründungen hat sich in den 50 Jahren gewandelt, seit es Vision Schweiz gibt. In den 80- und 90-er-Jahren seien neugegründete Kirchen nach zehn Jahren finanziell selbsttragend gewesen, sagt Mauerhofer. «Das geht heute viel länger. Ich kenne kein Beispiel, wo das möglich war.» Heute würden auch weniger neue Kirchen neu gegründet als vor 40 Jahren. Was sich auch geändert hat: Eine Gemeindegründung kann heute den Fokus stärker auf Hauskreise haben. «Man ist heute offener gegenüber jüngerschaftsorientierten Gründungen.» Bei dieser Art von Gemeindegründung sei allerdings die Wahrscheinlichkeit grösser, dass sie nur ein paar Jahre existierten und dann wieder aufgeben.

Was soll eine reformierte Kirchgemeinde machen, wenn sie hört, dass in der Nähe eine neue Freikirche gegründet werden soll, will Lukas Huber wissen. «Ich würde mich mit den Leuten treffen und herausfinden, was sie genau vorhaben und was sie motiviert.» Unter Umständen könne eine neue Gemeinde jene Menschen auffangen und beheimaten, die man als Kirchgemeinde sowieso nicht erreicht – oder denen man eben keine Aufgabe geben könne, weil die Posten in der bestehenden Gemeinde schon besetzt sind.

Ein Bericht mit Fotos findet sich hier.

Wer in den Shownotes suchen will, findet sämtliche Shownotes auf einer Seite.

Kontakt mit den Hosts: aufwaerts-stolpern@ref-sh.ch

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