11-10: «Lukas Blaser, wie funktioniert missionale Gemeindeentwicklung in Freikirchen?»
Wenn sich eine Freikirche an Globalfocus wendet für ein Gemeindeentwicklungsseminar, bekommt sie zuerst unerwartete Hausaufgaben: Während der zwei Monate mit Lukas Blaser und seinen Kolleginnen und Kollegen soll die Gemeinde das normale Programm herunterfahren, damit möglichst viele Mitglieder der Gemeinde an dem Gemeindeentwicklungsprogramm teilnehmen können. «Alle sind durchs Jahr so beschäftigt, dass sie nicht einfach noch mehr machen können», erzählt Lukas Blaser im Podcast Aufwärts stolpern.
Globalfocus legt Wert darauf, dass möglichst alle Altersgruppen vertreten sind, von den Teenagern bis Senioren. «Auch Leute, die sonst eher am Rand stehen, sollen spüren, dass sie ein wichtiger Teil der Gemeinde sind.» Üblicherweise nehmen zwischen 40 und 70 Prozent der Gemeindemitglieder am Seminar teil. Dabei hüten sich die Globalfocus-Verantwortlichen, Antworten zu geben, weil sie von aussen kommen. Viel wichtiger ist es, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. «Wir hören oft: Solche Fragen wurden uns noch gar nie gestellt.» Dabei geht Lukas Blaser ergebnisoffen vor. «Das überfordert manche Menschen, die alles unter Kontrolle haben wollen.» Dieses Vorgehen sei aber nachhaltiger. Und gerade die Gespräche zwischen Menschen der unterschiedlichen Generationen erwiesen sich als sehr wertvoll.
Die Zeiten haben sich geändert
An drei Abenden und einem Wochenende beschäftigt sich die Gemeinde mit der Geschichte der Kirche und zwar mit jener der eigenen Gemeinde, aber auch mit den grossen Linien der Kirchengeschichte. Ein grosses Thema: wie sich die Zeit und die Leute geändert haben. «Dabei geht es auch um die Frage, wie wir die Menschen in unserer postmodernen Zeit verstehen lernen und gleichzeitig so vom Glauben reden, dass die Leute uns verstehen.»
Globalfocus ist ein Angebot der Missionsorganisation OM. Blasers Hintergrund in der Mission kommt am dritten Abend des Seminars zum Tragen, wo es um die Schweiz als multikulturelles Land geht. «Der Anteil der Menschen, die nicht in der Schweiz geboren wurden, liegt bei über 30 Prozent.» Dabei würden viele Freikirchen sehr monokulturell geleitet. «Das gilt aber auch für die Landeskirche», wirft Podcast-Co-Host Lukas Huber ein.
Secondos in der Gemeindeleitung
Für Blaser ist klar: «Eigentlich müssten schon viele Secondos Mitglieder unserer Gemeindeleitungen sein.» In den letzten Jahren kamen zunehmend Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. «Diese Menschen zu integrieren ist sicher noch eine grössere Herausforderung.» Im Seminar zeigten sie den Kirchgemeinden, dass die Bibel voller Migrationsgeschichten sei, sagte Blaser.
Dabei gebe es verschiedene Modelle: die Integration von Menschen aus anderen Weltgegenden in einer bestehenden Gemeinde oder Migrantenkirchen. «Die Erfahrung zeigt: Migranten der ersten Generation schaffen es meist nicht in eine bestehende Freikirche.» Blaser erwähnt die ukrainischen Flüchtlinge, die eigene Kirchen gegründet haben. «Aber man kann sie unterstützen, dass sie geistlich wachsen und sich gut entwickeln.» Bei der zweiten und dritten Generation sollten Kirchen schauen, dass man gemeinsam Kirche bauen kann.
Migranten erweitern den Horizont
Wenn Gemeinden dank des Globalfocus sich bewusst werden, dass ihr Nachbar aus einem anderen Kulturkreis kommt, sei das eine gute Gelegenheit, den eigenen Horizont zu weiten. «Man muss einfach bereit sein, die Kultur des Nachbarn kennenzulernen.» Zum entsprechenden Abend lädt Blaser immer einen Migranten oder eine Migrantin ein, die von den Erfahrungen in der Schweiz erzählt.
Auf die drei Seminarabende folgt ein Wochenende. Der Samstag ist dem Kontext und der Kultur gewidmet. Die Gemeinde soll sich ihres eigenen Umfelds bewusst werden und ihr Beziehungsnetz festhalten. Am Sonntag wird im Gottesdienst von den Erkenntnissen berichtet und die Globusfocus-Leute segnen die Gemeindeleitung.
Anschliessend wertet Lukas Blaser und seine Kolleginnen und Kollegen das Erarbeitete aus, um es zwei Wochen später mit der Gemeindeleitung zu besprechen.
Mit dem Seminar gewinnen Gemeinden Einsicht in das, was ihr konkreter Auftrag ist und wo die eigenen Ressourcen liegen. Als Beispiel führt Lukas Blaser die Chile Grüze an, die anschliessend an das Seminars sich voll ins Quartier hineingab.
Generationen zusammenbringen
Was die reformierte Kirche von seinen Erfahrungen lernen kann, fragt Lukas Huber. Wenn die Landeskirche es schaffe, die verschiedenen Generationen zusammenzubringen und in ein gemeinsames Gespräch zu verwickeln, könne das eine neue kirchliche Dynamik auslösen, sagt Blaser.
Was ihm Hoffnung für die Kirche gebe, will Co-Host Anna Näf wissen. Dass Christus auferstanden ist, gebe Hoffnung, auch in einer Zeit des Wandels.
Ein Bericht mit Fotos [findet sich hier](Link einfügen).
Wer in den Shownotes suchen will, findet sämtliche Shownotes auf einer Seite.
Kontakt mit den Hosts: aufwaerts-stolpern@ref-sh.ch
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