Aufwärts stolpern

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Der Podcast für die Kirchgemeinde mit Ambitionen

11-08: «Heidy Stutz, was macht eine Kita in der Kirche?»

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Das «Spatzenescht» war die erste Kindertagesstätte im Schaffhauser Klettgau. Sie wurde vor 18 Jahren gegründet und hat eine aussergewöhnliche Geschichte: An einem Männerstammtisch aus Landes- und Freikirchlern diskutierten ältere, fromme Männer – mit einem Glas Wein in der Hand, wie es sich für den Klettgau gehört – darüber, ob es reicht, dass man gegen Abtreibung ist, oder ob man etwas dafür machen müsse, damit junge Frauen ihr Kind zur Welt bringen, weil sie daran glauben, dass sie mit dem Kind zurande kommen würden, auch wenn sie alleinerziehend sind.

Die Kindergärtner Heidy Stutz bewegte sich in den gleichen freikirchlichen Kreisen rund um die Chrischona Hallau. Sie wurde beigezogen, weil sie schliesslich etwas von Kindern verstand. Als sie einmal fragte, wer denn das Kita-Projekt leiten solle, hiess es: «Du natürlich».

Sie liess sich auf das Projekt ein und eröffnete mit einer befreundeten Lehrerin die erste Kita im Schaffhauser Klettgau. Seither befindet sich das «Spatzenescht» in der Chrischona Hallau und nicht etwa im geografisch logischeren Nachbarstädtchen Neunkirch. Die Wahl fiel auf die Chrischona Hallau, erzählt Heidy Stutz im Podcast «Aufwärts stolpern», weil sie dort optimale Räume antrafen: «Die Sonntagsschul-Räume sind grösser als gewöhnliche Wohnzimmer, es hat draussen einen Spielplatz und einen grossen Parkplatz, wo die Eltern anhalten und die Kinder abgeben können.»

Kita in der Kirche: Vor- und Nachteil

Die Räume hatten aber einen Nachteil: Sie gehörten der Chrischona, die als Freikirche bei nicht wenigen im Dorf den Ruf einer religiösen Sondergruppe hatte. «Es gab zu Beginn Eltern, die die Kinder nicht zu uns in die Kita gaben. Aber bald erzählten die Eltern davon, dass man uns die Kinder ruhig anvertrauen kann, weil wir eine gute Kita seien.»

Diskussionen gab es aber nicht nur ausserhalb der Chrischona, sondern auch innerhalb. «Es gab schon Gemeindeglieder, die fanden, dass die Erziehung der Kinder in die Verantwortung der Eltern gehören.» Mit der Zeit hätten aber viele gesehen, dass die Kita für Familien in angespannten Verhältnissen eine grosse Hilfe sind. Abgesehen davon hätten sich die Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. «Heutige Grosseltern wohnen nicht in der Nähe oder arbeiten beide noch.» Zudem könnten Familien mit einem Kinder oder zwei Kindern davon profitieren, dass die Kinder in der Kita das Zusammenleben mit anderen Gleichaltrigen lernen.

Die Chrischona-Gemeinde profitiert ebenfalls von der Zusammenarbeit, nicht nur finanziell – die Kita bezahlt als eigenständiger Verein Miete –, sondern auch dadurch, dass die Seniorinnen und Senioren nach einem Anlass auf die Kinder treffen und es da eine Verbindung über die Generationen gebe. Abgesehen seien jetzt die Chindehüeti-Räume viel professioneller eingerichtet, weil die Kita altersgerechtes Spielzeug eingekauft hatte.

Kurze Wege sind ein Vorteil

Die Doppelnutzung der Räume – unter der Woche Kita, am Wochenende Jugendarbeit und Gottesdienst-Betrieb – kann auch zu Reibungen führen, zum Beispiel wenn eine kirchliche Gruppe am Wochenende die Räume nicht so hinterlässt, wie sie es sollte. Heidy Stutz hält es für einen grossen Vorteil, dass sie selber Teil der Chrischona-Gemeinde ist. Damit sind die Kommunikationswege kurz und man kann offene Fragen gleich unter der Türe klären.

Die Kita hat sich als christlich geführte Institution aufgestellt, macht aber selber keine Religionserziehung. «Das ist die Aufgabe der Eltern.» Gleichzeitig mache schon nur der Ort mit manchen Eltern etwas. Es seien schon Kinder mit der Zeit regelmässig in die Ameisli gegangen oder Eltern hätten entschieden, dass ihr Kind den kirchlichen Unterricht in der Chrischona besuchen sollten, weil sie sich dort wohl fühlten.

Durch das kirchliche Engagement viel gelernt

Heidy Stutz war zum Zeitpunkt der Gründung des «Spatzenescht» schon in der Gemeindeleitung der Chrischona Hallau, zusammen mit ihrem Mann. Das habe nicht nur die Wege kurz gemacht, sie habe auch viel gelernt: Umgang mit Konflikten, strategisches Denken und durch die Moderation im Gottesdienst öffentliches Reden. «Ich war eine sehr scheue junge Frau und habe enorm viel gelernt, seit man mich als erstes angefragt hat, ob ich in der Jugendgruppe mitleite.» Heute mache es ihr nichts aus, an einem Elternanlass vor 100 Personen zu reden.

Vom Jugend- zum Hauptpastor

In den letzten Jahren hat Heidy Stutz auch erlebt, wie der langjährige Hauptpastor Michael Russenberger (Episode 11-07) die Stelle wechselte und der bisherige Jugendpastor Mathias Koch neuer Hauptpastor wurde. Podcast-Co-Host Lukas Huber will wissen, ob dieser Wechsel vom Jugend- zum Hauptpastor gelungen sei. Beide Seiten – der Jugendpastor und die Gemeindeleitung – hätten das gut geprüft; es sei gelungen, weil Matze Koch schon zuvor nicht nur an die Jugend gedacht habe und sich als strategisch denkender Mensch erwiesen habe. Die Gemeindeleitung habe der Gemeinde auch klar kommuniziert, dass der neue Hauptpastor ein anderer Mensch sei als sein Vorgänger und sich naturgemäss Dinge ändern werden.

Co-Host Anna Näf fragt sich, ob dieses Modell nicht auch für Landeskirchen eine Überlegung wert wäre: der Ausbildungsweg von der Jugendarbeit zur Gemeindeverantwortung. Heidy Stutz berichtet von der Erfahrung im Chrischona-Kontext: In der Vergangenheit seien Junge als Jugendarbeiter in eine Gemeinde geschickt worden. Nach zwei Jahren kamen sie als neue Hauptpastoren in eine neue Gemeinde. «Und das genau dann, wenn der Jugendarbeiter in seiner ersten Gemeinde etwas zustande gebracht hatte.» Diesen Fehler habe man in der Chrischona Hallau nicht gemacht.

Was braucht die nächste Generation?

Anna Näf fragt Heidy Stutz, was die reformierte Landeskirche von ihrer freikirchlicher Erfahrung profitieren könne. «Vielleicht die Frage, wie wir uns als Kirche permanent weiterentwickeln.» Die Frage für Frei- wie für Landeskirchen zentral: «Was braucht die nächste Generation, damit sie in zehn Jahren die Leitung übernehmen kann?»

Dabei könne die Kirchgemeinde auf Jesus vertrauen; dieser habe die Jünger ja auch einfach ausgesandt, um zu wirken und Erfahrungen zu sammeln.

Wer in den Shownotes suchen will, findet sämtliche Shownotes auf einer Seite.

Kontakt mit den Hosts: aufwaerts-stolpern@ref-sh.ch

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Den Bericht über diese Episode (mit Fotos) findet sich hier.

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